Chor-Workshop mit Oliver Gies

von Jens Pielawa (Kommentare: 0)

Was war das für ein hervorragender Tag. Zuerst muss man vermelden, dass Hannover 96 sich nicht beirren lassen hat und seinen Höhenflug in der Bundesliga fortsetzt. Mit einem 3:1 düpierten die Hannoveraner die Bayern. Meine Hochachtung und herzlichen Glück­wunsch. Zuvor war ich auf einem Workshop, bei dem Oliver Gies von Maybebop 32 Sängerinnen und Sänger den Groove beigebracht hat. Dass Oliver Schulmusik und Komposition im Bereich Jazz, Rock, Pop studiert hat, brauche ich wohl nicht zu erwähnen. Seine Arrangements sind immer erste Sahne und teilweise auch ganz schön verzwickt. Ich sage Olli, dass ich nicht so gut Noten lesen kann. „Das brauchst Du auch nicht, dafür bin ich ja da”, entgegnet er mir. Das ist sehr beruhigend. Ohnehin heißt es in der Kurs­beschrei­bung: „Die Noten­beispiele sind klar und simpel oder werden spontan im Kurs improvisiert. Noten­kenntnisse sind nicht zwingend erforderlich”.

Logo Arbeitskreis für Schulmusik Der Arbeitskreis für Schulmusik hat Interessierte unter dem Titel „Let’s groove it! Jazz-Chorgesang und mehr” eingeladen. In der Paul-Moor-Schule in Wunstorf finden sich 26 Frauen und nur sechs Männer ein. Ein kleiner Innenhof mit Arena-Charakter ist ideal für diesen Kreis. Oliver, der eigentlich genug Stress mit Maybebop hat (CD-Produktion, Choreo­graphie­übungen, Konzerte, TV-Auftritt am Abend in Bremen etc.), nimmt sich einen Tag Zeit für uns. Schon von der ersten Minute an nimmt er uns mit und lässt uns Rhythmen, Körpergefühl und Ausstrahlung proben. Wir mimen brasilianische Rhythmen, machen die Bassdrum und die Cowbell, laufen damit durcheinander und versuchen den Takt zu behalten. Mit den Händen sollen wir verschiedene Rhythmen auf den Schenkeln klopfen, rechts den Vier­viertel­takt und links ein paar Breaks. Komisch, ich kann das andersherum besser (auch wenn ich trommele). Meine rechte Hand ist ohnehin ziemlich mausgeschädigt und untrainiert.

Oliver mit der SängerrundeDann liegen Noten aus für drei unterschiedliche Stücke, alle arrangiert von Oliver Gies: „Die Made” (das Gedicht von Heinz Erhardt), „Sweet Dreams” von den Eurythmics und „Mambo” von Herbert Gröne­meyer. Wir proben die Stücke immer nach­einander kurz ein und Olli erklärt, wo es in den Stücken auf die Stimmung ankommt. Bei der „Made” sollen wir süffisant, sanft und zärtlich singen und sprechen. Beim „Mambo” ist der innerlich schwingende, fast brasilianische Rhythmus wichtig, dabei sollen wir trotzdem aggressiv mit zusammen­gebissenen Zähnen singen (denn immerhin finden wir ja keinen Parkplatz, wie man weiß). Wir Männer haben einen anders betonten Rhythmus mit akzentuierten Text­stellen zu singen, woran man sich erst mal gewöhnen muss. Und das Wort „klitsch-nass-ge-schwi-tz-t” wird in seine gesungenen Einzelteile zerlegt. Bei „Sweet Dreams” aller­dings soll der Bass in den Magen fahren und der Rock durchdringen. Olli macht uns den Angus Young von AC/DC vor, überhaupt ist der ganze Körper von ihm immer im Einsatz. Er swingt und rockt uns vor, wie wir leicht hüftsteifen Chorsänger rüberkommen sollen und tatsächlich bekommt der Song dann „mehr Eier”.

In der Mittagspause bringt uns ein Pizzaservice Nudeln, Salate und Pizza, eine Stunde lang wird gegessen und geplaudert. Mareike, Elke und ich singen mal so nebenbei „Shower the people” vom Klangbezirk, das der Maybebop-Fanclub-Chor „4-lagig” gerade probt (Elkes neuer Ohrwurm). Mir fallen Parallelen von Chorchefin Mel und Olli auf, beide haben den Chor nur durch Gestik und Ansprache perfekt im Griff. Mir kommt ein wenig die Zeile aus Maybebops Song „Ich bin es” in den Sinn: „Alle häng’n an seinen Lippen” (und einige gucken auch „ganz beseelt”…). Es ist aber auch nicht leicht, nicht Oliver zu folgen, der so eloquent, witzig und ansprechend die Feinheiten des Chorgesanges erklärt. Ein Griff in die Luft und alles hört auf zu singen. Das klappt wie am Schnürchen. Man ist auf den Chorleiter fixiert. Mel und Oliver sind die besten Lehrer, die sich ein Sänger vorstellen kann (ein Dank an die „Chefin” an dieser Stelle).

Video Chorworkshop „Sweet Dreams”Am Nachmittag werden die drei Songs nochmals genauestens geprobt, bis alles sitzt. Erstaunlich, dass man in knapp vier Stunden drei Lieder komplett durchgeprobt bekommt. Durch die entspannte Atmosphäre, bei der keiner quasselt oder sich verschließt, ist das aber auch kein Wunder. Wir intonieren die „Made” mit dem Sprachwitz, wie ihn Erhardt sicher haben wollte (auch wenn es für die Made kein Happy End gibt), swingen beim „Mambo” und knirschen trotzdem die Zähne. „Sweet Dreams” bekommt die Power, die es verdient (ein Videobeispiel ist hier zu sehen, Olli ist zwar leider „kopflos” und der Ton ist nicht so gut, aber zumindest ist zu sehen, was man in vier Stunden Probe machen kann). Nachdem wir diese drei Stücke gesungen haben, ist kurz vor 16 Uhr der Workshop dann auch leider schon vorbei.

Olli freut sich über den AfS-WeinOliver bekommt einen großen warmherzigen Applaus. Die AfS-Mitarbeiterin bedankt sich mit einer Flasche Wein und dann fragt Oliver, ob ihn jemand entweder direkt nach Bremen oder zum Bahnhof Wunstorf mitnehmen kann. Heute Abend treten Maybebop nämlich noch in der Sendung „buten und binnen” bei Radio Bremen auf. Olli sagt, dass das neue „Vogellied” und eine „Welturaufführung” gesungen wird. Später in der Sendung hören wir das neue Lied „Fpaniff”, das Jan mit einem Sprachfehler vorträgt (ich höre sogar das böse „F”-Wort, das aber vom „schicken” herrührt). Die zusammengeschnitte Sendung habe ich als Youtube-Video online gestellt.

Mir hat der Workshop sehr viel Spaß gemacht. Olli hat die Sänger perfekt im Griff gehabt. Mit viel Witz und Stimmung wurden uns Feinheiten für den Chorgesang vermittelt, so dass man richtig Spaß am Singen bekommen kann. Seit der „Entdeckung” von Maybebop habe ich eine unbändige Lust am Singen entwickelt, ich schmettere Maybebop-Songs bei jeder Gelegenheit und finde Gefallen am Singen im Fanclub-Chor. Dafür gebührt Oliver auch ein großer Dank. Auf der Rückfahrt beim Autofahren höre ich Radio und es fällt das 2:0 für Hannover. Was für ein toller Tag!

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